Familien unterstützen, Kinder schützen

23 Jul

Das Flex-Team Hemelingen geht in Familien, die Unterstützung brauchen

Tim hat große Probleme in der Schule. Seine familiäre Situation ist angespannt – deshalb fehlt er häufig unentschuldigt oder kommt viel zu spät zur Schule, zeigt dort ein auffallendes Verhalten gegenüber Mitschüler*innen und kann sich kaum konzentrieren. Seine Lehrer*innen hatten bislang große Schwierigkeiten, mit seinen Eltern Kontakt zu bekommen und hatten aufgrund der Dringlichkeit das Jugendamt informiert. Durch Gespräche mit den Eltern im Amt konnten diese von der Notwendigkeit einer sozialpädagogischen Familienhilfe überzeugt werden. Eine Sozialpädagogin der Flexiblen Hilfen besucht ihn und seine Familie jetzt regelmäßig Zuhause, sie berät die Eltern und unterstützt die Familie, damit diese für Tim und seine Geschwister mehr Struktur im Alltag aufbauen kann. Auch begleitet sie die Gespräche zwischen den Eltern und der Schule. Für Tim konnte zudem eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung in einem Sportverein gefunden werden.

Dies ist ein fiktives Beispiel für die Arbeit der sogenannten Flexiblen Hilfen der St. Petri Kinder- und Jugendhilfe, die vom Jugendamt zum Wohl der Kinder eingesetzt und bezahlt werden.  „Familienhilfe wird nicht leichtfertig eingesetzt, sondern wenn sich Familien in Krisen befinden und Hilfe brauchen“, sagt Julia H., die seit drei Jahren im Flex-Team Hemelingen arbeitet. Das Team besteht aus acht Sozialpädagog*innen, die aufgrund unterschiedlicher Weiterbildungen und Qualifikationen ganz verschiedene Angebote zur Verfügung stellen.

Bei den Flexiblen Hilfen geht es darum, zum Wohl der Kinder den Familien Hilfe zur Selbsthilfe anzubieten. Die Arbeitsgrundlage dafür ist ein Hilfeplan, der gemeinsam von Jugendamt, Familien und Mitarbeiter*innen der Flexiblen Hilfen erstellt wird. Dabei wird ganz individuell geschaut, was Familien und was Kinder brauchen und welche Angebote sie nutzen können. Die Mitarbeiter*innen der Flexiblen Hilfen arbeiten mit den Familien Zuhause, bieten aber auch Begleitung zu anstehenden Terminen, z.B. mit Behörden und Wohnungsbaugesellschaften, Kindergärten und Schulen oder Ärzt*innen und Therapeut*innen an. Ziele und Handlungsschritte werden gemeinsam definiert und genau beschrieben. Diese Klarheit hilft beiden Seiten. „Es geht nicht darum, für die Familie den Plan in Gänze zu erfüllen, sondern Wege aufzuzeigen, die die Familie selbst gehen kann“, sagt Monika O., die seit 22 Jahren für St. Petri arbeitet. „Es geht um Bestärkung, nicht um Bevormundung“, stimmt Uli M. zu, der seit mehr als 30 Jahren für St. Petri tätig ist.

„Familienhilfe basiert auf Beziehungs- und Vertrauensarbeit“, ergänzt Volker W., der seit zehn Jahren im Flex-Team arbeitet. „Diese muss sich entwickeln. Das Verändern von Verhalten benötigt Zeit“, so Monika O.

Bei den vielen unterschiedlichen Themen und Sorgen in den Familien ist das Flex-Team Hemelingen froh, sich innerhalb des Teams austauschen zu können. „Als Familienhelfer ist man auch oft Einzelkämpfer und deshalb sehr auf das Team angewiesen“, bestätigt auch Uli M. Eine wertschätzende Grundhaltung ist aus Sicht des Teams die Grundlage ihrer Arbeit und Voraussetzung für eine gelingende Zusammenarbeit mit den Familien.

 

Text: Regina Bukowski